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Der St. Galler Klosterplan

Der St. Galler Klosterplan ist die früheste erhaltene und umfangreichste Visualisierung eines Baukomplexes aus dem Mittelalter. Der Klosterplan, der aus fünf zusammengenähten Pergamenteilen besteht, hat eine Größe von 112 cm x 77, 5 cm. Er zeigt Grundrissdarstellungen von ungefähr vierzig Gebäudekomplexen, verzeichnet jedoch auch Gartenanlagen, Zäune, Mauern und Wege. Die Bauwerke sind vor allem durch ihre ca. 333 Beschriftungen klar zu bestimmen, ebenso die Klosterkirche, das Skriptorium, eine Unterkunft der Gastmönche, Dormitorien, der Speissaal, die Küche, das Back- und Brauhaus, der Krankenbereich und eine große Anzahl an Wirtschaftsbauten und Handwerksbetrieben.

Codex Sangallensis 1092
recto verso
St. Gall Plan recto St. Gall Plan verso
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Warum wurde er angefertigt?

Nach der Widmungsinschrift am Klosterplan ist die Architekturzeichnung für Gozbert angefertigt worden, womit wohl jener Abt von St. Gallen gemeint ist, der dem Kloster in den Jahren 816 bis 837 vorstand. Dieser Gozbert ließ im Jahr 830 tatsächlich die bestehende Klosterkirche abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Der Schenker, wahrscheinlich Abt Haito von Reichenau, schrieb beschrieb den Zweck des Planes folgendermaßen: "damit Du daran deine Findigkeit üben und jedenfalls meine Anhänglichkeit erkennen mögest". Deshalb sieht die Forschung den Klosterplan weniger als konkrete Bauzeichnung für Abt Gozbert an, sondern mehr als einen generellen Vorschlag wie ein ideales oder typisches Kloster auszusehen hat. Die damals errichtete Kirche wurde deshalb auch nicht nach dem Klosterplan gebaut, der auf die tatsächlichen Geländeverhältnisse von St. Gallen keine Rücksicht genommen hat.

Die Tatsache, dass sich der Autor und der Entstehungszeitpunkt nicht genau ermitteln lässt, macht den Klosterplan paradoxerweise besonders wertvoll. Er ist als eine zweidimensionale Meditation über eine ideale frühmittelalterlichen Mönchsgemeinschaft zu verstehen, hergestellt zu einer Zeit, als monastisches Leben eine der dominanten politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kräfte Europas war.

Was ist auf diesen Website?

Die Internetseite ermöglicht den Zugang zu Datenbanken, die Informationen zum Plan und zu karolingischer Kultur. Neben einer Fülle von digitalen Präsentationen des Klosterplans, zeigt die Internetseite auch eine Präsentation der Planherstellung, gibt detaillierte Informationen zu den einzelnen zeichnerischen Details des Klosterplans, sowie den Inschriften deren Transkription und Übersetzung. Darüber hinaus beinhaltet die Internetseite zahlreiche Information zu karolingischen Objekten im Kontext von Klosterkultur, zu karolingischer Architektur und ihren archäologischen Spuren und zu in Schriftquellen genannter Sachkultur. Sie bietet eine Bibliographie zum Klosterplanes im Speziellen aber auch zu karolingische Kultur im Allgemeinen.