St. Galler Klosterplan

St. Galler Kloster
Orientierungsplan

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Der St. Galler Klosterplan ist die früheste erhaltene und umfangreichste Visualisierung eines Baukomplexes aus dem Mittelalter. Seit seiner Entstehung im Kloster Reichenau in den Jahren 819 – 826 ist er im Besitz der Stiftsbibliothek St. Gallen (Schweiz). Aufgrund seiner Einzigartigkeit und seiner Präsenz in der Stiftsbibliothek St. Gallen, die mehr als 2000 spätantike und mittelalterliche Handschriftene aufbewahrt, wurde diese im Jahr 1983 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ausgerufen. Die Internetseite, die durch die finanzielle Unterstützung der Andrew W. Mellon foundation von Wissenschaftern und Studenten der University California, Los Angeles und der University of Virginia erarbeitet wurde, präsentiert den Klosterplan, seine Entstehungsgeschichte, seine Zeichnungsdetails und Inschriften ebenso, wie die fast vierhundert jährige Forschungsgeschichte und gibt einen kleinen Einblick in karolingische Kulturgeschichte.

img: plan details
Kirche am Klosterplan

Der Klosterplan, der aus fünf zusammengenähten Pergamenteilen besteht, hat eine Größe von 112 cm x 77, 5 cm. Er zeigt Grundrissdarstellungen von ungefähr vierzig Gebäudekomplexen, verzeichnet jedoch auch Gartenanlagen, Zäune, Mauern und Wege. Die Bauwerke sind vor allem durch ihre ca. 333 Beschriftungen klar zu bestimmen.

Eines der größten Gebäude der Klosteranlage ist die Klosterkirche (siehe Abbildung) an die gleich unmittelbar Skriptorium, Sakristei, eine Unterkunft der Gastmönche wie auch unterschiedliche Torräume anschließen, gleich gefolgt von dem wichtigen Bereich der Mönche mit deren Dormitorium, Latrinenanlagen, Waschraum, Speissaal, Küche, Back- und Brauhaus. Der Klosterplan verzeichnet ebenso ein Gästehaus, die Pfalz des Abtes sowie einen Krankenbereich. Letztendlich findet man eine große Anzahl an Wirtschaftsbauten und Handwerksbetrieben. Die so dargestellten Gebäudekomplexe dürften wohl einer Gemeinschaft von mehr als 100 Mönchen und weit mehr als 150 Arbeitern und Dienern Platz geboten haben.

Die Frage zu welchem Zweck der Klosterplan angefertigt wurde, ist eines der ungelösten Forschungsprobleme; aber auch wer diesen konzipierte, konnte bislang nicht geklärt werden.

Nach der Widmungsinschrift am Klosterplan ist die Architekturzeichnung für Gozbert angefertigt worden, womit wohl jener Abt von St. Gallen gemeint ist, der dem Kloster in den Jahren 816 bis 837 vorstand. Dieser Gozbert ließ im Jahr 830 tatsächlich die bestehende Klosterkirche abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Doch die damals errichtete Kirche bezog sich nicht auf die Struktur der Planzeichnung und auch die tatsächlichen Geländeverhältnisse von St. Gallen sind auf dem Klosterplan nicht berücksichtigt.

Aufgrund dieser Tatsachen sieht die Forschung den Klosterplan weniger als konkrete Bauzeichnung für Abt Gozbert, sondern mehr als einen generellen Vorschlag wie ein ideales oder typisches Kloster auszusehen hat, das überall in Europa errichtet werden könnte. Wann und warum Gelehrte und Würdenträger karolingischer Zeit dieses Konzept entworfen haben, ist seit fast fünfzig Jahren Hauptgegenstand der Forschung.

Die Tatsache die Autorenschaft, den Zeitpunkt der Herstellung sowie den Ort seiner Bestimmung nicht fassen zu können, macht den Klosterplan paradoxerweise besonders wertvoll. So ist der Klosterplan als eine zweidimensionale Meditation einer idealen frühmittelalterlichen Mönchsgemeinschaft zu verstehen; als ein „objektives Korrelativ“ zur Regel des Hl. Benedikt, hergestellt zu einer Zeit, als monastische Konzepte eine der dominanten politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kräfte Europas waren.

Die Internetseite ermöglicht den Zugang zu Datenbanken, die Informationen zum Plan und zu karolingischer Kultur beinhalten. Neben einer Fülle von digitalen Präsentationen des Klosterplans, zeigt die Internetseite auch eine Präsentation der Planherstellung, gibt detaillierte Informationen zu den einzelnen zeichnerischen Details des Klosterplans, sowie den Inschriften deren Transkription und Übersetzung.

Darüber hinaus beinhaltet die Internetseite zahlreiche Datenbanken zu karolingischen Objekten im Kontext zu Klosterkultur, zu ergrabener und erhaltener karolingischer Architektur, zu in Schriftquellen genannter Sachkultur, zur Bibliographie des Klosterplanes im Speziellen sowie zu Literatur über karolingische Kultur im Allgemeinen.

Eine Stichwortsuche ermöglicht eine kombinierte Abfrage aller Datenbanken zur karolingischen Kultur in Zusammenschau mit dem Klosterplan. Letztendlich bietet die Internetseite eine interaktive Nutzung. Benützer der Internetseite können miteinander in Kontakt treten und Wissen zu und um den Klosterplan sowie zu karolingischer Kultur beisteuern.

Wir hoffen mit dieser komplexen Struktur die Forschung zum den Klosterplan von St. Gallen unterstützen und vor allem vorantreiben zu können, um dieses einzigartige Objekt verstehen zu lernen.